Gröpelinger Liz

Jeden Tag,  Jahr für Jahr  
ging Liz aus dem Haus
am Abend im Stöckelschritt
das Haar hochgesteckt
die Beine so lang
klick klack auf dem Pflaster ihr Tritt.

Sie ging und der Tag
floh still aus dem Haus
aus der  Küche  roch es nach Kraut.
ich träumte vorm Spiegel
mit Cremes und  dem Rouge
mal Prinzessin mal  Liz und  mal Braut.

Tanzt doch ihr Jahre
tanzt doch um mich
ich folg eurem eisernen Schritt
was ich einst verloren
an euch, sang mir Liz
bringt ihr mir nie wieder zurück.

Und sie schob diesen Mann
schon früh an mein Bett
und sagte:  Kleines komm her  
Da hab ich gewünscht
es zerfiele das Haus
und flösse zum Hafen ins Meer.

Nur nichts hören
nichts sagen
die Augen fest zu
er hat mir die Hand geführt
und ich hab es getan
und ich habe gedacht
das was man nicht will auch nicht spürt.

Tanzt doch ihr Jahre
tanzt doch um mich
ich folg eurem eisernen Schritt
was ich einst verloren
an euch, sang mir Liz
bringt ihr mir nie wieder zurück.

Wie lang ist das her
oh Liz, meine Mutter,
die Bilder längst grau und gewellt
und immer  noch
da seh ich im Traume
den Nachttisch
den Mann
und das Geld.

Die  Werften sind tot
und der Hafen  auch
und ich lebe noch immer hier
und die Liz die ist tot
und das Viertel zerfällt
zu Ruinen aus Armut und Bier.

Tanzt doch ihr Jahre
tanzt doch um mich
ich folg eurem eisernen Schritt
was ich einst verloren
an euch, sang mir Liz
bringt ihr mir nie wieder zurück.

Manchmal gehe ich heute
zum Hafen hinab
dort wo Liz mit den anderen stand
jetzt stehen da Container für Glas und Papier
und Scherben bedecken den Sand.

Nichts blieb von der Zeit       
sie kam und sie ging 
kein Freier kommt heut mehr hier her        
und der Regen er spült den Ort wo sie stand          
fort zum Hafen zurück in das Meer.

Tanzt doch ihr Jahre
tanzt doch um mich
ich folg eurem eisernen Schritt
was ich einst verloren
an euch, sang mir Liz
bringt ihr mir nie wieder zurück.